Hoch die
Zimmererkunst!

Bei Jampen Holzbau sind wir stets bemüht, neuste Technologien in unsere Prozesse zu integrieren, um zeitgemäss und konkurrenzfähig am Markt aufzutreten. High-Tech hat sich längst auch beim Holzbau etabliert und bestimmt über die Effizienz unseres Wirkens. Trotz vieler technologischer Entwicklungen steht der Holzbau im Gegenzug aber auch für uralte Traditionen, Berufsstolz und Leidenschaft für’s Handwerk. Als leistungsfähiger Betrieb im Zürcher Oberland sehen wir uns der Pflege und der Aufrechterhaltung dieser Traditionen verpflichtet. Wir bieten einen kleinen Einblick in die Welt der Wandergesellen, erklären was sich hinter unserer «Kluft» verbirgt und erzählen über die «Walz» – einer der letzten grossen Abenteuer unserer Gesellschaft. Hoch die Zimmererkunst!

Freie Vogtländer Deutschlands, «Budenleben» 1923 (Bild: freie-vogtlaender.eu)

Die Kluft —
mehr als eine Tracht

Die Auffällige Kleidung ist nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch. Sie verleiht dem Gesellen eine Identifikation als angesehener Wanderer und zeigt auch die Symbole seines Handwerks und der Vereinigung, der er angehört. So stehen zum Beispiel die acht Knöpfe an der Weste für acht Arbeitsstunden am Tag und die sechs Knöpfe an der Jacke für sechs Arbeitstage pro Woche. Anhand der Farbe der Ehrbarkeit lässt sich die Zugehörigkeit des Gesellen zu einem Schacht erkennen. Weitere klassische Merkmale sind ein Schlapphut mit breiter Krempe, ein Ohrring, welcher gegebenenfalls mit Hammer und Nagel mit einem gezielten Schlag gestochen wird, dem Stenz, einem speziellen Wanderstock, welcher jeder Geselle selber suchen muss und eine Taschenuhr mit Uhrkette, an welcher die Wappen der besuchten Städte befestigt werden.

Alles an der Kluft hat seine Bedeutung. So stehen acht Knöpfe für acht Arbeitsstunden am Tag. (Bild: Annick Ramp / NZZ)
Nichts für zart besaitete. Ein Ohrring wird traditionell mit Hammer und Nagel durch einen gezielten Schlag gestochen. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

Die Walz —
Das Gefühl
von Freiheit

Das Ziel der Walz ist, sich beruflich weiterzubilden und den persönlichen Horizont zu erweitern. Dies geschieht durch die Begegnung mit Fremden und Gleichgesinnten, sowie der Konfrontation mit Unbekanntem und Unvorhergesehenem. Zu den Voraussetzungen gehören Ledigkeit und Schuldenfreiheit. Ausserdem dürfen Wandergesellen das 30. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Mit 5 Franken macht sich der Geselle in Begleitung eines erfahrenen Gesellen, der ihn in das zukünftige Reisen und in die Gesellschaft mit ihrem Gesellenbrauchtum einführt, auf den Weg. Während der Walz ist es dem Gesellen verboten, den Bannkreis von 50 Kilometer um seine Heimat zu betreten.

Auf der Walz werden Strapazen in Kauf genommen, welche sich inskünftig als lohnend erweisen sollen. Zum Beispiel die Vorschrift, dass man nur zu Fuss, notfalls auch per Anhalter unterwegs sein darf. Selber fahren ist verboten und das Benützen der öffentlichen Verkehrsmittel verpönt. Reizvoll scheint die Gratwanderung zwischen Dazugehörigkeit und dem ausgeschlossen sein. Ohne die Gewissheit, was morgen sein wird und selten mit gut gefülltem Portmonnaie — ein Reiz und Nervenkitzel.

Während der Walz ist es verboten, den Bannkreis von 50 Kilometer um seine Heimat zu betreten. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

Gasthaus Sonne
und die Freien
Vogtländer

Die im Jahre 1910 gegründete Gesellschaft «Freie Vogtländer Deutschlands» ( FVD ) erkennt man an ihrem Merkmal, der Ehrbarkeit – einer goldenen Handwerksnadel, im eingeschlagenen Hemdkragen. Die Reisezeit eines Freien Vogtländers beträgt mindestens zwei Jahre. Die Herbergen der Freien Vogtländer finden sich auf der ganzen Welt, jedoch mehrheitlich im deutschsprachigen Raum. Unter anderem befindet sich in Hittnau – nahe unseres Geschäfts- und Produktionssitzes eine von vier Herbergen in der Schweiz. Im Gasthaus Sonne haben Reisende und Einheimische stets einen Anlaufpunkt, sich zu treffen und Erfahrungen auszutauschen.

Das Gasthaus Sonne bietet Reisenden stets einen Anlaufpunkt, sich zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. (Bild: sonne-hittnau.ch)
Gasthaus Sonne, Httnau (Bild: sonne-hittnau.ch)

Die Schächte

Wer sich für die Wanderschaft entscheidet, hat heute die Wahl zwischen diversen Gesellenvereinigungen, den Schächten. Darüber hinaus gibt es Freireisende. Sie sind an keine Richtlinien einer Zunft gebunden, halten sich aber meist an die Bräuche und tragen Kluft.

Die Rechtschaffenen Fremden, die sich in zwei Vereinigungen teilen ( Zimmerer und Maurer ), lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie tragen einen schwarzen Schlips als «Ehrbarkeit». Die Wanderzeit beträgt drei Jahre und einen Tag.

Die Rolandsbrüder haben einen blauen Schlips als «Ehrbarkeit». Ihre Wanderzeit beträgt drei Jahre und einen Tag, das Höchstalter ist 27 Jahre.

Die Freien Vogtländer tragen anstelle eines Schlipses eine goldene Anstecknadel im eingeschlagenen Hemdkragen als «Ehrbarkeit». Ihre Wandzeit beträgt mindestens zwei Jahre und einen Tag.

Die Fremden Freiheitsbrüder mit rotem Schlips als «Ehrbarkeit» wandern drei Jahre und einen Tag.

Die Mitglieder von Axt und Kelle, darunter viele Frauen, tragen einen Ohrring mit den Insignien des Schachtes. Ihre Wanderzeit beträgt mindestens zwei Jahre und einen Tag.

Der Freie Begegnungsschacht hat einen grauen Schlips als Ehrbarkeit. Bei ihm wandern sowohl Männer als auch Frauen. Neben Bauhandwerkern können auch Gesellen jeden Handwerks für drei Jahre und einen Tag reisen.

Weitere
Informationen
und Quellen

Freie Vogtländer Deutschlands
zur Website

NZZ – Artikel zum Thema von Susanne Wagner
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Gasthaus Sonne Hittnau
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